zeichenzeigen

Juni 26, 2010

Auftakt

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Zeichenzeigen sammelt die Zeichen, denen wir jeden Tag begegnen, denen wir ganz selbstverständlich folgen, die wir an allen öffentlichen Orten finden und die wir schon gar nicht mehr bewusst wahrnehmen, weil sie seit jeher da zu sein schienen. Wir benutzen diese Zeichen ganz selbstverständlich und ohne sie zu hinterfragen, denn sie sollen uns doch nur schnelle Orientierung geben und durch eine labyrinthische Welt führen.

luxemburg hbf(Luxemburg, Hauptbahnhof)

Oft genug  machen sie allerdings selbst die Welt zu einem Irrgarten. Missverständlichkeiten, bildgrammatikalische Ungereimtheiten, Informationsübereifer und gestalterische Eitelkeiten sorgen für Irritationen, die mehr Fragen aufwerfen, als dass sie Antworten gäben. Ein Dilemma, was deutlich zeigt, wie begrenzt die Möglichkeiten von Bildsprache letztendlich sind.

Piktogramme sind Bilder. Wir nehmen sie zwar nicht als solche wahr und betrachten sie wie Buchstaben, wie Schriftzeichen, da sie scheinbar ohne mitschwingende Bedeutung daher kommen. Wir hinterfragen ihre Erscheinungen nicht nach Sinn und Unsinn ihrer Darstellungen, nach Anschauungen, die ihnen ablesbar sind oder nach kommunikativen Fehlern, die sie mit sich tragen. Doch gerade die Betrachtung von hintergründigen Bedeutungen, jenen Konnotationen und Evokationen, die jedes Bild, auch ein Piktogramm reden lassen, ist durchaus viel(ver)sprechend.

wien2(Wien, Opernplatz)

Zeichenzeigen sammelt die Piktogramme, die uns selbst darstellen, vor allem das Toilettenzeichen, das Frau- und Manndarstellungen als Symbol nutzt.

braunschweig1(Braunschweig, Ahrplatz)

Alle Bildzeichen sagen mehr aus, als sie eigentlich abbilden. Sie sind Ausdruck der Gesellschaft, in der sie entstanden sind und für die sie gemacht wurden. Sie sind verräterisch, denn individuelle und gesellschaftliche Wertvorstellungen scheinen durch sie hindurch. Gerade die Frau-Mannzeichen offenbaren all zu oft mitschwingende gesellschaftliche Konventionen.

Gerade die Darstellung von Frau und Mann entlarvt tief in uns verankerte und längst nicht überwundene Haltungen, Bräuche, Konventionen und Vorstellungen von geschlechtsspezifischen Attributen und Attitüden. Die Erwartung an die bildliche Erscheinung von Frau unterscheidet sich bis heute deutlich von der, wie ein Mann daherkommt.

Ute Helmbold, Oktober 2009

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